Gärtnern mit Heimvorteil

Wer seinen grünen Daumen als Gärtnerneuling erst noch austesten will, tut gut daran, sich in heimischen Gefilden umzusehen. Denn heimische Pflanzen sind an unser Klima angepasst und an den hiesigen Schädlingsdruck. Sie kommen im Garten gut zurecht, brauchen vergleichsweise wenig Pflege und bereiten keine Probleme.

Heimische Pflanzenarten gedeihen trotz wenig Aufwand

Der Wiesenstorchschnabel oder die Schafgarbe sind nur zwei Beispiele für blühende Stauden aus heimischen Gefilden. Allerdings brauchen sie auch im Garten einen Standort, der ihrem ursprünglichen Lebensraum nahekommt. Pflanzen aus Freiflächen wie Wiesen sollten nicht unter dichte Büsche gesetzt werden, die Blumen vom Waldrand oder dem Teichufer nicht an die Hauswand in die pralle Sonne. Diese wenigen Grundkenntnisse sollte auch ein Gärtneranfänger beherrschen. Im Pflanzenhandel oder mit einem Grundlagenbuch zur Hand sind diese kleinen Wissenseinheiten aber schnell vermittelt und verinnerlicht. Zur Not lernt auch der Gärtner aus seinen Fehlern. Wenn der Eisenhut aus den hochalpinen Zonen in der schleswig-holsteinischen Marsch einfach nicht üppig blühen will, ist die Ursache naheliegend.

Wo findet man die heimischen Schönheiten?

Die meisten Pflanzenarten sind, obwohl in Deutschland heimisch, leider längst nicht (mehr) an jeder Ecke zu finden. Teilweise liegt es an den speziellen Standortansprüchen, teilweise aber auch daran, dass sie durch Straßen- und Landschaftsbau verdrängt wurden auf besondere Gebiete. Ein weiterer Faktor, der seit einigen Jahren hinzukommt, ist der Schwund an Insekten. Nicht nur die Anzahl innerhalb einiger Arten hat rapide und alarmierend abgenommen, auch sind ganze Arten verschwunden. Auf bestimmte Bestäuber festgelegte heimische Stauden können sich ohne diese nicht vermehren und sind in ihrem Bestand gefährdet oder deutlich eingeschränkt. Für manche Blühstauden wie den Blauen Eisenhut, Deutschlands giftigste Schönheit, muss man im Juli in die Allgäuer Alpen wandern, Narzissen hingegen sind von Mitte bis Ende April in der Eifel zu bestaunen. Der Diptam, auch Brennender Busch genannt, mag kalkreiche, nährstoffarme Böden wie Trockenrasenstandorte. Goethe soll mit seinen entzündlichen ätherischen Ölen experimentiert haben. Die Türkenbundlilie ist in dichten Laubwäldern unserer Mittelgebirge zuhause, weshalb es schwierig ist, ihr im Garten den kühlen, halbschattigen und leicht feucht Standort zu bieten. Die Bergflockenblume ist wunderbar unkompliziert. Sie bildet an Gehölzrändern und eigentlich überall mit der Zeit dichte Teppiche. Der Braune Storchschnabel trotzt selbst dunklem Schatten und tiefer Trockenheit. Er gibt darum an den ansonsten kahlen Stellen zwischen Bäumen und Sträuchern ein gutes Bild ab.

Experimente und Feingefühl bringen Leben in den Garten

Generell kann man davon ausgehen, dass aus Deutschland stammende Pflanzen mit guter Frosthärte ausgestattet sind. Südafrikanische hingegen könnten unter großer Kälte leiden und zudem mehr Trockenheit fordern, als wir ihnen in Deutschland bieten können. Natürlich sind in den Gartencentern inzwischen Hybriden und weniger empfindliche Nachzuchten zu erstehen. Und die eigentlichen Feinheiten wie Wasser- und Nährstoffbedarf oder der Anspruch an Luftfeuchtigkeit lassen sich jeweils nur aus dem kleinen Klima der Heimatregion ableiten. Generell bietet es sich immer an, Pflanzen mit ähnlichen Ansprüchen zu kombinieren und Herkunftsland wie auch Lebensraum zu berücksichtigen.

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